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Was ist das Coming-out?

Deutsch übersetzt heisst Coming-out herauskommen, hervorkommen. Es umfasst den langen Weg von der ersten Ahnung zum Wissen und schliesslich zum persönlichen Akzeptieren, lesbisch oder schwul zu sein. Andererseits geht es darum, das Umfeld, Familie, Freunde und Freundinnen sowie Kolleginnen und Kollegen in der Schule oder am Arbeitsplatz ins Bild zu setzen, sich sozusagen zu «outen».

Für dich bedeutet Coming-out also, dass du zuerst selbst erkennst, wo du stehst, dich so wie du bist anzunehmen lernst und schliesslich auch diesen Teil von dir in dein Leben einbaust.

Wie merk ich es?

Wenn du nicht weisst, ob du schwul bist oder nicht, überlege vielleicht einfach, weshalb du dir die Frage überhaupt stellst. Vielleicht fällt dir ein Junge ein oder ein Mann, der dir etwas bedeutet? Gibt es jemanden, den du vielleicht mal wenigstens anfassen möchtest? Gibt es Jungs, Männer, bei denen dich das Kribbeln packt und die du mal ganz nah spüren möchtest?

Wie sag ich es?

Der Weg zum selbstverständlich Schwul oder Lesbischsein ist lang und oft mit Ängsten verbunden: Wie werden Familie, Eltern, Freundeskreis reagieren? Was passiert in der Schule, bei der Arbeit? Was passiert überhaupt mit meinem Leben? Doch der Weg lohnt sich! Ohne Coming-out haben Lesben und Schwule kaum Chancen auf ein wirklich erfülltes Leben. Manche schämen sich Jahre oder gar Jahrzehnte für ihre Sexualität und verleugnen sich vor sich selbst und den andern. Dies kann seelisch und körperlich krank machen und sogar zum Selbstmord führen. Das darf nicht sein!

Versuche erst einmal, deine nähere Umgebung ins Bild zu setzen. Ohne Nervosität wird das zwar nicht abgehen, doch es entlastet ungemein. Du kannst dir dabei Zeit lassen. Und Frauen haben in der Regel weniger Mühe damit als Männer. Versuch es zum Beispiel bei einer guten Freundin, oder vielleicht hast du eine Schwester? Die wenigsten gehen damit zuerst zu den Eltern. Oft machen Schwule dann aber die Erfahrung, dass die Mutter es längst ahnte, wogegen viele Väter sich ernsthaft an den Gedanken gewöhnen müssen. Jedenfalls: Wenn du es den Eltern sagst, ist es gut bereits einige Eingeweihte zu haben, die helfen können, falls es Probleme gibt.

In der Schule sollten dir von Lehrpersonen und Schulleitung kaum Schwierigkeiten erwachsen, weil du schwul bist. Auch in Einrichtungen der Jugendarbeit und Sozialarbeit hast du in der Regel nichts zu befürchten, ausser es handle sich zum Beispiel um evangelikale oder streng katholische Einrichtungen. Wie das mit SchulkollegInnen oder am Arbeitsplatz ist, musst du selber einschätzen. Taste dich vor, beginne ein Gespräch über einen Film, eine Fernsehsendung oder einen Artikel mit lesbischwulem Inhalt. Es gibt keinen Grund, den Leuten die sexuelle Orientierung dauernd unter die Nase zu reiben. Du lebst aber am einfachsten, wenn du jederzeit und überall ohne Angst und selbstverständlich dich selbst sein kannst.

Wie leb ich es?

Mit Reden ist es natürlich nicht getan. Lerne andere Schwule kennen. Wo es schwule Jugendgruppen gibt, siehst du im Adressverzeichnis am Schluss der Broschüre. Die erste Kontaktaufnahme, das erste Mal hingehen, das braucht meist etwas Überwindung. Aber es lohnt sich. Du wirst zwar keine Wunderwelt entdecken, aber doch das schöne Gefühl erleben, nicht allein zu sein.